Willkommen bei SISUKAS class.

Jedes Kind trägt bereits wertvolle Stärken in sich. Hier geht es darum, diese sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Mit Geschichten, Ideen und finnisch inspirierten Impulsen für mehr Resilienz, soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen im Schulalltag.


Jedes Kind kann etwas. Wirklich jedes.

Vor einigen Jahren habe ich meine Klasse gefragt, was sie besonders gut können. Die Antworten waren ungefähr das, was man erwarten würde. Fußball. Rechnen. Lesen. Malen. Dann meldete sich ein Kind und sagte: „Ich merke immer, wenn jemand traurig ist.“

Das hat mich damals beschäftigt. Denn eigentlich ist das eine wunderbare Fähigkeit. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass das Kind selbst gar nicht sicher war, ob das überhaupt zählt. Als müsste eine Stärke etwas sein, das man messen oder benoten kann.

Dabei gibt es so viele Dinge, die Kinder können und die auf keinem Zeugnis stehen. Es gibt Kinder, die andere trösten. Kinder, die nie lange nachtragend sind. Kinder, die immer wieder neue Ideen haben. Kinder, die weitermachen, obwohl ihnen etwas schwerfällt. Und Kinder, die dafür sorgen, dass sich andere willkommen fühlen.

Im Schulalltag sprechen wir oft darüber, was noch nicht klappt. Das ist verständlich, denn schließlich wollen wir Kinder beim Lernen begleiten. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob Kinder genauso gut benennen können, was sie bereits mitbringen. Viele wissen erstaunlich genau, worin sie nicht gut sind. Aber wenn man sie nach ihren Stärken fragt, müssen sie erst einmal überlegen. Das finde ich schade.

Denn ich wünsche mir, dass Kinder nicht nur lernen, Aufgaben zu lösen. Ich wünsche mir auch, dass sie entdecken, wer sie sind. Dass sie merken, was sie besonders macht und was sie in eine Gemeinschaft einbringen können.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich so gerne über Stärken spreche. Nicht, weil Kinder keine Herausforderungen hätten. Die haben sie natürlich. Aber manchmal verändert sich etwas, wenn ein Kind merkt: Mit mir ist nichts falsch. Ich kann schon eine ganze Menge.

Wenn dich solche Gedanken interessieren, dann schau gerne wieder vorbei. Im sisukas.class Magazin erscheinen regelmäßig neue Beiträge rund um starke Kinder.


Was Kinder stark macht, beschäftigt mich auch in Helsinki

05.06.2026

Wenn Menschen das Wort Stressmanagement hören, denken viele zuerst an Erwachsene: An volle Kalender, lange To-do-Listen und Menschen, die versuchen, Beruf und Alltag unter einen Hut zu bekommen.

Deshalb finden manche es vielleicht überraschend, dass ich während meiner Fortbildung in Helsinki, zu der ich morgen aufbreche, auch an die Kinder in meinen Klassen denke. Denn die Frage, wie Kinder gesund durch ihre Schulzeit gehen können, beschäftigt mich schon lange.

Dabei meine ich nicht nur die körperliche Gesundheit. Ich meine Kinder, die sich etwas zutrauen. Kinder, die mit Fehlern umgehen lernen. Kinder, die nach einem schwierigen Tag wieder aufstehen und weitermachen. Kinder, die wissen, dass sie wertvoll sind, auch wenn nicht immer alles gelingt.

Natürlich entstehen solche Fähigkeiten nicht über Nacht. Und natürlich kann Schule nicht alle Probleme lösen. Aber Schule kann ein Ort sein, an dem Kinder erleben, dass sie wachsen dürfen, dass sie Fehler machen dürfen und dass Stärke nicht bedeutet, immer alles zu können.

Genau deshalb freue ich mich auf die kommenden Tage.

Die Fortbildung, an der ich teilnehmen werde, beschäftigt sich mit Wellbeing und Stressmanagement. Was mich daran besonders anspricht, ist der Gedanke, dass das Wohlbefinden von Kindern und Lehrkräften zusammengehört.

Eigentlich klingt das selbstverständlich. Trotzdem wird oft so getan, als könnte man die eine Gruppe stärken, ohne die andere mitzudenken. Dabei erleben wir jeden Tag, wie eng beides miteinander verbunden ist.

Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen Sicherheit geben. Und Erwachsene brauchen Bedingungen, unter denen sie diese Sicherheit überhaupt geben können.

Ich bin gespannt, welche Gedanken, Erfahrungen und Ideen ich aus Helsinki mitbringen werde. Nicht, weil ich dort die eine perfekte Lösung erwarte, sondern weil ich überzeugt bin, dass man manchmal schon weiterkommt, wenn man bereit ist, neue Perspektiven kennenzulernen.

Vielleicht bringe ich keine fertigen Antworten mit nach Hause, aber hoffentlich viele gute Fragen. Und manchmal sind genau die der Anfang von etwas Neuem.

Wenn dich solche Gedanken interessieren, dann schau gerne wieder vorbei. Im SISUKAS Magazin erscheinen regelmäßig neue Beiträge rund um starke Kinder, Resilienz und das, was Kinder wachsen lässt.


Kinder lernen mehr als Mathe und Deutsch

Während der Fortbildungswoche in Helsinki ging es um Wohlbefinden, Positive Psychologie, Beziehungen, Werte, Emotionen und Lernen. Und jee länger die Woche dauerte, desto öfter saß ich da und dachte: Genau darum geht es doch eigentlich.

Natürlich lernen Kinder in der Schule lesen, schreiben und rechnen. Gleichzeitig lernen sie jeden Tag noch etwas anderes.

  • Sie lernen, mit Enttäuschungen umzugehen.
  • Sie lernen, dranzubleiben, wenn etwas nicht sofort klappt.
  • Sie lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen.
  • Sie lernen, mit anderen zusammenzuarbeiten.
  • Sie lernen, Probleme zu lösen und neue Wege auszuprobieren.

Viele dieser Themen tauchten während der Fortbildungswoche immer wieder auf. Mal ging es um emotionale Intelligenz, mal um Wohlbefinden, mal um Resilienz oder persönliche Werte.

Am Ende führten viele Wege zu derselben Erkenntnis: Kinder brauchen Fähigkeiten, die weit über Fachwissen hinausgehen.

Genau deshalb musste ich während der Woche immer wieder an die sieben Superkräfte von SISUKAS Class denken.

Denn hinter den Superkräften stehen genau diese Fähigkeiten.

  • Dranzubleiben, wenn etwas schwierig wird.
  • Die eigenen Gefühle wahrzunehmen.
  • Einen Plan zu entwickeln.
  • Kreativ nach Lösungen zu suchen.
  • Positiv in die Zukunft zu blicken.
  • Mit Sinn und Zuversicht durchs Leben zu gehen.

Die Fortbildungswoche hat mir keine neue Richtung gezeigt. Sie hat mir vielmehr noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig diese Fähigkeiten für Kinder sind und wie häufig sie in ganz unterschiedlichen Forschungsbereichen auftauchen.

Ob wir über Wohlbefinden, Positive Psychologie, Resilienz oder Lernen sprechen – am Ende landen wir immer wieder bei denselben Fragen:

Was macht Kinder stark?

Was hilft ihnen, Herausforderungen zu bewältigen?

Und was brauchen sie, um ihren eigenen Weg zu gehen?

Genau dort setzen die sieben Superkräfte von SISUKAS Class an. 🤍


SISUKAS-Momente – Kinder entdecken sie jeden Tag

Neulich habe ich ein Kind gefragt, worauf es heute besonders stolz ist. Die Antwort kam sofort. „Ich habe mich heute getraut, laut vorzulesen.“

Kein Einser. Keine Urkunde. Kein großes Lob. Einfach ein Moment, der für dieses Kind wichtig war.

Seitdem achte ich noch genauer darauf.

Kinder erleben jeden Tag kleine SISUKAS-Momente. Sie sehen oft ganz anders aus, als wir Erwachsenen erwarten. Ein Kind meldet sich zum ersten Mal. Ein anderes schafft eine Aufgabe, die gestern noch zu schwer war. Jemand entschuldigt sich nach einem Streit. Zwei Kinder lösen einen Konflikt allein. Ein leises Kind traut sich plötzlich, seine Idee mit der Klasse zu teilen.

Solche Momente dauern manchmal nur wenige Sekunden. Trotzdem erzählen sie unglaublich viel über die Entwicklung eines Kindes. Aber im Schulalltag gehen sie leider schnell unter. Wir schauen auf den Wochenplan, den Lernstoff oder die nächste Unterrichtsstunde. Dabei passiert direkt vor unseren Augen so viel, worauf Kinder wirklich stolz sein können.

Genau deshalb arbeite ich so gerne mit Wochenrückblicken, Erfolgsheften oder der Strahlenkarte. Sie helfen Kindern, ihre eigenen SISUKAS-Momente wiederzufinden. Viele Kinder merken dabei zum ersten Mal, wie viel sie eigentlich schon geschafft haben.

Selbstvertrauen wächst genau dort. Ein Kind, das seine eigenen kleinen Erfolge wahrnimmt, geht mit einem ganz anderen Gefühl durch den Schulalltag. Es wartet nicht mehr nur darauf, gelobt zu werden. Es beginnt, sich selbst etwas zuzutrauen.

Vielleicht könnten wir Lehrkräfte uns davon sogar eine Scheibe abschneiden, denn am Ende des Tages fällt uns oft sofort ein, was nicht geklappt hat.

Die SISUKAS-Momente müssen wir manchmal erst wieder suchen.

Zum Glück sind sie fast immer da.