Willkommen bei SISUKAS teaching.
Lehrkräfte geben jeden Tag ihr Bestes – oft auf Kosten der eigenen Energie. Hier findest du finnisch inspirierte Impulse, die helfen können, den Schulalltag mit mehr Ruhe, Klarheit und Handlungsspielraum zu gestalten. Nicht irgendwann nach den Ferien, sondern mitten im Schulvormittag.
Früher habe ich gedacht, mit mir stimmt etwas nicht.
Ich kam nach Hause und wollte einfach meine Ruhe haben. Nicht telefonieren. Keine Musik hören. Kein Gespräch führen. Manchmal wollte ich einfach nur fünf Minuten irgendwo sitzen, ohne dass jemand etwas von mir möchte. Dabei hatte ich doch nur unterrichtet. So habe ich zumindest damals gedacht.
Inzwischen glaube ich, dass viele Menschen unterschätzen, wie anstrengend Schule sein kann. Von außen sieht man oft nur die Unterrichtsstunden. Was man nicht sieht, sind die vielen kleinen Entscheidungen dazwischen. Wer braucht Hilfe? Wer hat gerade nicht aufgepasst? Wer streitet sich? Wer ist traurig? Wer braucht eine Erinnerung? Wer eine Ermutigung? Und während man sich um all das kümmert, läuft der Unterricht natürlich weiter.
Ich liebe die Arbeit mit Kindern. Daran liegt es nicht. Aber Kinder brauchen viel von uns. Aufmerksamkeit. Geduld. Präsenz. Und davon geben wir jeden Tag eine ganze Menge.
Deshalb wundert es mich heute überhaupt nicht mehr, dass viele Lehrkräfte nach der Schule erschöpft sind. Nicht, weil sie zu wenig belastbar wären. Sondern weil sie den ganzen Vormittag für andere da waren.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch. Dann möchte ich dir etwas sagen, das ich selbst erst lernen musste: Du musst dich dafür nicht rechtfertigen. Wenn du nach der Schule Ruhe brauchst, bedeutet das nicht, dass du deinen Beruf nicht magst. Es bedeutet auch nicht, dass du ungeeignet bist. Vielleicht bedeutet es einfach nur, dass du den ganzen Vormittag sehr viel gegeben hast.
Wenn dich solche Gedanken interessieren, dann schau gerne wieder vorbei. Im sisukas.teaching Magazin erscheinen regelmäßig neue Beiträge für Lehrkräfte.
05.06.2026
Morgen geht es los.
Wenn du mir schon länger folgst, weißt du wahrscheinlich, dass Finnland für mich weit mehr ist als ein Reiseziel. Trotzdem fliege ich dieses Mal nicht nach Helsinki, um Seen anzuschauen oder durch kleine Cafés zu bummeln.
Ich nehme an einer Fortbildung zu Wellbeing und Stressmanagement teil.
Allein diese beiden Begriffe beschäftigen mich schon seit Jahren. Nicht nur als Lehrerin, sondern auch als Fachkraft für Stressmanagement. Denn je länger ich im Schuldienst arbeite, desto mehr frage ich mich, warum wir Gesundheit in Schule oft so getrennt betrachten.
Da sind die Kinder auf der einen Seite.
Und die Lehrkräfte auf der anderen.
Dabei erleben wir doch jeden Tag, wie eng beides zusammenhängt. Wenn eine Lehrkraft dauerhaft erschöpft ist, wirkt sich das auf den ganzen Schulalltag aus. Nicht, weil sie ihren Beruf nicht gut macht, sondern weil niemand unbegrenzt Kraft zur Verfügung hat. Und umgekehrt fällt Lernen schwer, wenn Kinder sich nicht wohlfühlen.
Genau deshalb freue ich mich so auf diese Woche. Ich erwarte keine Wunderlösung und auch kein Geheimrezept. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es das gibt. Aber manchmal reicht schon ein neuer Gedanke, ein anderer Blickwinkel oder eine gute Idee, die man mit nach Hause nehmen kann.
In den nächsten Tagen werde ich viel zuhören, lernen, beobachten und wahrscheinlich auch über manche Dinge neu nachdenken.
Und genau dabei nehme ich dich hier im SISUKAS Magazin gerne mit.
Vielleicht entdecken wir gemeinsam ein paar Gedanken, die unseren Schulalltag ein kleines Stück leichter machen können.
Seit meiner Rückkehr aus Helsinki vor einer Woche begleitet mich ein Satz besonders:
A little is a lot.
Während der Fortbildungswoche ging es um Wohlbefinden, Positive Psychologie, Beziehungen, Werte, Bewegung und Lernen. Auf den ersten Blick waren das sehr unterschiedliche Themen. Je länger die Woche dauerte, desto deutlicher wurde jedoch, wie eng alles miteinander zusammenhängt.
Besonders spannend fand ich, dass wir immer wieder bei denselben Themen landeten. Gute Beziehungen fördern Lernen. Bewegung unterstützt Konzentration. Klare Werte geben Orientierung. Wohlbefinden entsteht nicht zufällig. Und hinter vielen dieser Bereiche stehen keine komplizierten Konzepte, sondern Gewohnheiten, die jeden Tag gelebt werden.
Als der Satz „A little is a lot“ fiel, musste ich sofort an meinen eigenen Schulalltag denken.
An die Hausschuhe im Klassenraum, die inzwischen für viele Kinder ganz selbstverständlich geworden sind. An die Bewegung zwischendurch, die oft nur wenige Minuten dauert und trotzdem neue Energie in die Klasse bringt. An feste Routinen und bewusste Übergänge, die Orientierung geben und den Vormittag ruhiger machen. Und an die vielen kleinen Entscheidungen, die für sich genommen unspektakulär wirken und zusammen trotzdem etwas verändern.
Genau darüber schreibe ich hier bei SISUKAS seit Langem.
Deshalb war die wichtigste Erkenntnis aus Helsinki für mich keine neue Methode und kein neues Konzept. Vielmehr habe ich immer wieder erlebt, dass die Forschung viele Dinge bestätigt, die ich im Schulalltag selbst beobachte.
Die Dinge, die einen Unterschied machen, fallen oft kaum auf. Sie kosten wenig Zeit. Sie sorgen nicht für große Schlagzeilen. Aber sie verändern Schritt für Schritt die Atmosphäre in einer Klasse und die Art, wie wir unseren Schulalltag erleben.
Genau deshalb nehme ich aus Helsinki vor allem eines mit: die Bestätigung, dass Veränderung klein anfangen darf.
Oder, um es mit dem Satz zu sagen, der mich seit meiner Rückkehr begleitet:
A little is a lot.
SISUKAS-Momente – die schönsten Erinnerungen passen in keine Postkarte
In zwei Wochen fahre ich wieder nach Finnland. Ich freue mich unbändig darauf.
Letztes Jahr war ich zum ersten Mal dort. Wir haben Helsinki, Turku und Tampere entdeckt, sind viel herumgekommen und haben unglaublich viele Eindrücke gesammelt. Dieses Jahr wird unser Urlaub ganz anders. Wir haben uns bewusst für ein Haus am Wasser entschieden. Wald, See und ganz viel Natur. Ehrlich gesagt freue ich mich genau darauf am meisten.
Falls du mir auf Instagram folgst, weißt du, wie gerne ich fotografiere. Mein Handy ist voller Bilder. Wenn ich sie durchblättere, entdecke ich kaum Sehenswürdigkeiten. Dafür finde ich Abendlicht zwischen den Bäumen, einen Steg am See, Wildblumen am Wegesrand oder die Spiegelung der Sonne auf dem Wasser.
Früher habe ich solche Dinge oft gar nicht wahrgenommen. Heute bleibe ich stehen. Ich schaue genauer hin und genieße diesen einen Augenblick. Genau diese kleinen Momente sind es, die mir lange im Gedächtnis bleiben.
Vor ein paar Tagen habe ich beschlossen, ihnen einen Namen zu geben.: SISUKAS-Momente.
Für mich sind das Augenblicke, die etwas in mir auslösen. Momente, in denen ich Ruhe spüre, Kraft tanke oder einfach denke: Wie schön ist das gerade.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, dass es diese Momente auch im Schulalltag gibt.
Ein Kind strahlt, weil es endlich eine Aufgabe geschafft hat. Zwei Kinder lösen einen Streit allein. Die Klasse arbeitet konzentriert und plötzlich ist es ganz ruhig. Auf dem Schulhof scheint morgens die Sonne durch die Bäume und für einen kurzen Moment vergesse ich alles um mich herum.
Diese Augenblicke machen den Schulalltag nicht perfekt. Sie erinnern mich aber daran, warum ich Lehrerin geworden bin.
Deshalb möchte ich in diesen Sommerferien ganz bewusst SISUKAS-Momente sammeln. Ich bin gespannt, welche Bilder am Ende auf meinem Handy sind. Und ich bin genauso gespannt, welche SISUKAS-Momente ich nach den Ferien wieder in der Schule entdecke.
Vielleicht hast du ja Lust, in den nächsten Wochen deine eigenen SISUKAS-Momente zu sammeln. Ich würde mich freuen, wenn wir sie nach den Ferien miteinander teilen. Schick deine Fotos einfach gerne an: kontakt@sisukas.de. Ich habe das Gefühl, dass daraus etwas richtig Schönes entstehen kann.